Lobpreis

Höchster, allmächtiger, guter Herr,
dein sind das Lob, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen.
Dir allein, Höchster, gebühren sie,
und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.

     (Sonnengesang des Hl. Franziskus von Assisi)

Man kann nicht behaupten, dass die empirischen Wissenschaften das Leben, die Verflechtung aller Geschöpfe und das Ganze der Wirklichkeit völlig erklären. Das hieße, ihre engen methodologischen Grenzen ungebührlich zu überschreiten. Wenn man in diesem geschlossenen Rahmen denkt, verschwinden das ästhetische Empfinden, die Poesie und sogar die Fähigkeit der Vernunft, den Sinn und den Zweck der Dinge zu erkennen. Ich möchte daran erinnern, dass „die klassischen religiösen Texte für alle Zeiten von Bedeutung sein können und eine motivierende Kraft besitzen, die immer neue Horizonte öffnet […] Ist es vernünftig und intelligent, sie in die Verborgenheit zu verbannen, nur weil sie im Kontext einer religiösen Überzeugung entstanden sind?“ Eigentlich ist es naiv zu meinen, die ethischen Grundsätze könnten völlig abstrakt und aus ihrem gesamten Kontext herausgelöst dargelegt werden; die Tatsache, dass sie in einer religiösen Sprache erscheinen, mindert in keiner Weise ihren Wert in der öffentlichen Debatte.
     (Enyklika "Laudato Si" von Papst Franziskus, Nr. 199)

Der Heilige Franziskus beginnt seinen Sonnengesang mit dem Lopreis Gottes. Die Betrachtung der Geschöpfe, die er in den folgenden Strophen besingt, geschieht immer mit dem „Durch-Blick“ auf ihren Schöpfer. In der Schönheit der Welt entdeckt Franziskus den, der diese Welt geschaffen und seinen Geschöpfen geschenkt hat. Franziskus war nicht ungebildet oder dumm, auch wenn er das einmal von sich im Gegensatz zu den studierten Brüdern Professoren seines Ordens behauptet. Auch im Sonnengesang kann man hören und lesen, dass der Heilige aus Assisi auf der Höhe der Bildung und des Weltbildes seiner Zeit war. Das steht nicht im Gegensatz dazu, die Welt aus einer spirituellen, manchmal etwas frommen Perspektive als Welt Gottes zu betrachten.
Papst Franziskus weist in „Laudato Si“ auf eine ähnliche Begegnung zwischen Wissen und Religion hin: Der Einsatz für die Erhaltung der Welt und ihrer Bewohner kann nicht dadurch falsch sein, wenn er durch den Glauben der unterschiedlichen Religionsgemeinschaften motiviert ist. Es kann vielmehr eine sich bereichernde Begegnung sein, wenn spirituelle Überzeugung und das Wissen um naturwissenschaftliche Zusammenhänge zu einem gemeinsamen Handeln führen und so erweisen, dass beide, Wissenschaft und spirituelle Überzeugung nur schwer ohne lebendige Beziehung denkbar sind.

Welchen Blick habe ich auf diese Welt?
Wie ist er geprägt von meinem Glauben, meiner Weltanschauung?
Wie verbinde ich das mit den Naturwissenschaften, die die Vorgänge in dieser Welt erklären wollen?
Alles was ich hier im Garten entdecke, kann ich aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Welche Brille habe ich heute aufgesetzt?